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2. Kiersper Stadtgespräch am 20.4.2004 im Rathaus der Stadt Kierspe
"In Würde alt werden. Können wir das in Kierspe?"


 

 Gertrud Löhken-Mehring

Gertrud Löhken-Mehring

 

 


ist Abteilungsleiterin der AWo-Fachabteilung für Sozialpolitik mit den Referaten Behindertenhilfe/Gefährdetenhilfe, Migration, ambulante Dienste/Gesundheitswesen und stationäre Pflege beim AWo-Bezirk westliches Westfalen in Dortmund.
Die diplomierte Sozialarbeiterin ist ordentliches Mitglied der Enquetekommission "Situation und Zukunft der Pflege in NRW" des Landtages. Ferner ist die zweifache Mutter Mitglied der Geschäftsführung des Arbeitsausschusses Altenhilfe der LAG der Freien Wohlfahrtspflege in Nordrhein Westfalen.

 


Weitere Gäste sind Experten von Berufsgruppen, Verbänden und Vereinen sowie pflegende und betreuende Angehörige, die mit älteren Menschen leben und arbeiten. Eingeladen sind die heimischen Sozialverbände, Ärzteschaft und Pfarrer, Vertreter des AWo-Seniorenzentrums und der Hospizarbeit, die Leiterin der Sozialstation, eine Krankenschwester, die im Klinikum Hellersen eine Abteilung für Sterbebegleitung aufbaut und heimische Architekten, die Altenwohnungen planen und errichten sowie Vertreter von Bürgerbusverein, Altenstuben und Seniorentanztee.

 


 

Pressestimmen

 



„In Würde alt werden, geht das in Kierspe?“

lautete das Thema des zweiten Kiersper Stadtgesprächs, zu dem die Bürgermeisterkandidatin der SPD, Petra Crone, am Dienstag in den Ratssaal eingeladen hatte.

Das Interesse war offensichtlich groß, gut 70 Bürger wollten sich über die verschiedenen Möglichkeiten informieren. Als Expertin war Gertrud Löhken-Mehring, bei der AWo in Dortmund unter anderem für ambulante Dienste und stationäre Pflege zuständig, dabei.

Einerseits herrscht in unserer Gesellschaft der Jugendwahn, andererseits wird die Bevölkerung immer älter, schilderte Löhken-Mehring eingangs die Situation. In den kommenden Jahren müssten Einrichtungen für die immer größer werdende Gruppe der älteren Menschen geschaffen und dabei den Veränderungen Rechnung getragen werden. 65-Jährige sind heute meist noch fit und werden als finanzkräftige Konsumenten geschätzt. Um die Lebensqualität der Senioren zu sichern, sind bestimmte Rahmenbedingungen nötig. Die Fachfrau nannte passend ausgestattete Seniorenwohnungen, betreutes Wohnen, Tagespflegeeinrichtungen, ambulante Betreuung und Pflege, wies aber auch auf Möglichkeiten hin, die eigenen vier Wände mit Fördermitteln altengerecht umrüsten zu lassen.

Zwischen der eigenen Wohnung und dem stationären Pflegeheim gibt es viele Möglichkeiten, über die die Senioren aber meist nicht informiert sind, erklärte Gertrud Löhken-Mehring. Damit ältere Menschen in ihrer gewohnten Umgebung bleiben und ein selbstbestimmtes Leben führen können, müssen die Wohnungen nachgerüstet oder möglichst zentral altengerechte Wohnungen gebaut werden, sonst gibt es in fünf bis sechs Jahren ein Riesenproblem. Es sei darauf zu achten, dass beim altengerechten Wohnen vorpflegerische Betreuung und Dienstleistungen passgenau auf den Einzelnen zugeschnitten sind.

Aus dem Kreis der Zuhörer kamen zahlreiche Vorschläge, die Palette reichte von einem Besuchsdienst gegen die mögliche Isolation bis hin zur Tagesmutter für Senioren, um die Angehörigen zu entlasten. Auch Angebote vor Ort wurden aufgelistet wie die Angebote der Sozialstation, die verschiedenen Altenstuben oder Essen auf Rädern.

Auf den Begriff Netzwerk angesprochen, gab Gertrud Löhken-Mehring zu bedenken, dass dann ein professioneller Organisator da sein müsse. Sonst funktioniere das ebenso wenig wie eine private Seniorenwohngemeinschaft.

Bevor man die nötigen Maßnahmen ergreifen kann, muss zunächst geklärt werden, was konkret gewünscht wird. Ich schlage deshalb vor, eine Befragung unter den Senioren durchzuführen, meinte Petra Crone. Vorgeschlagen wurde auch, dass sich Vertreter aller aktiven Gruppen an einen Tisch setzen: Sie alle kennen viele Senioren und wissen um ihre Bedürfnisse. Im Gespräch war auch ein Sozialführer für Kierspe. (hs)

 


Altern in Würde ist für alle möglich

Kierspe. (hey) "Jung, schlank und faltenlos - das bedeutet erfolgreich und toll zu sein." Anstelle des Jugendwahns gelte es der Altersweisheit in der Gesellschaft einen neuen Stellenwert zu verschaffen, leitete Petra Crone das 2. Kiersper Stadtgespräch am Dienstag ein.

"Wenn alte Menschen Jahre lang nicht mehr Baden, weil sie Angst haben, nicht mehr aus der Wanne zu kommen, dann stimmen die Rahmenbedingungen nicht", brachte Gertrud Löhken-Mehring ihr einführendes Referat auf den Punkt. Die Leiterin der AWo-Fachabteilung für Sozialpolitik aus Dortmund zeigte Bedingungen auf, die das "Alt werden in Würde" ermöglichen. Mit dem Thema lag die SPD-Bürgermeisterkandidatin offenbar richtig: Rund 70 Interessierte waren ihrer Einladung ins Rathaus gefolgt.

"Es gibt viele Einrichtungen, Gruppen und Angebote in Kierspe", fasst Crone am Ende einer angeregten Diskussion zusammen: "Aber es gibt auch Wünsche und Ideen, die noch realisiert werden wollen." Vor allem in der Vernetzung sieht die SPD-Frau eine Aufgabe für die Zukunft. Vom Senioren-Tanztee über kirchliche Altenstuben, Sozialverbände und Essen auf Rädern bis hin zu Sozialstation und ehrenamtlicher Hospizarbeit - die Angebote könnten in einem Sozialführer gebündelt werden. Zugleich könne ein Austausch der in der Altenhilfe aktiven - professionelle wie ehrenamtliche - weitere Chancen eröffnen.

"Auch alte Menschen unterscheiden sich in ihren Lebensstilen": Löhken-Mehring, u.a. Mitglied der Enquetekommission "Situation und Zukunft der Pflege in NRW", folgerte aus einer Bestandsaufnahme: "Die Gesellschaft muss immer neue Möglichkeiten entwickeln." Eine sei das betreute bzw. das Service-Wohnen. Das ermögliche selbstbestimmtes und lustvolles Leben ohne Barrieren - wie hohe Badewannen ohne Haltegriffe.

Mit Verweis auf viele Möglichkeiten der Förderung von altengerechtem Wohnraum riet Löhken-Mehring der Stadt, Angebote zwischen stationärer Pflege und eigener Wohnung zu schaffen. Klar im Kopf aber körperlich nicht mehr taufrisch - für viele Ältere seien stationäre Einrichtungen kaum nötig, wenn es passgenaue Hilfeangebote gebe. "Die Koppelung von Betreuung, Freizeit und Kultur verhindert soziale Isolation", so die Expertin.

Kiersper Fachleute mit vielen Ideen

Den Möglichkeiten, die sie aufzeigte, fügten die anwesenden Kiersper Fachleute aus allen Bereichen der Seniorenarbeit manche hinzu. Auf besonderes Interesse stieß die Idee, nach dem Tagesmütter-Modell Leihomas und Seniorenbetreuung in einer Art Tauschbörse zu verknüpfen.

"Appelle verpuffen", ist Löhken-Mehring überzeugt. "Es muss jemand koordinieren." - "Ich möchte aufbauen, was gewünscht wird, und nicht etwas aufdrücken", sagte Bürgermeisterkandidatin Crone. Um das zu erfahren, sei eine Seniorenbefragung denkbar.



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