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3. Kiersper Stadtgespräch am 25.5.2004 im Konferenzraum der Gesamtschule
"Bildung in Kierspe. Welche Chancen haben unsere Kinder?"


 

Nach der vieldiskutierten PISA-Studie ist das Bildungssystem der Republik in die Kritik gekommen. Daher wird am Dienstag, 25. Mai im 3. Kiersper Stadtgespräch die Frage gestellt: “Bildung in Kierspe,  welche Chancen haben unsere Kinder?“ Bürgermeisterkandidatin Petra Crone hat mit Schulleiterinnen und Schulleitern, Lehrerinnen und Lehrern, Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie Ehemaligen kompetente Gesprächspartner gewinnen können, um im Konferenzraum der Gesamtschule Kierspe – praktisch vor Ort des Geschehens – wichtige Fragen zu erörtern und die Weichen für die Bildung in der Stadt zu stellen.

Petra Crone hat selbst ihre drei mittlerweile erwachsenen Töchter das Kiersper Schulsystem mit Grundschulen und der Gesamtschule durchlaufen lassen. Die vorhandenen Strukturen sind der ehemaligen Vorsitzenden des Fördervereins und Pflegschaftsvorsitzenden der Gesamtschule geläufig. Früh hat sich Crone ehrenamtlich – sie gehörte zu den Gründerinnen des Fördervereins der Pestalozzischule – für die Schulen in Kierspe eingesetzt.

Fragen und Antworten zu Möglichkeiten und Qualität der Schulabschlüsse, zur Ausweitung der Angebote an Ganztagsschulen, zur Verbesserung des Zustandes der Schulgebäude und zur weiteren Einbindung der Schulen in das Gemeindeleben unserer Stadt werden in dieser Runde mit den Bürgerinnen und Bürgern diskutiert. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr.
 


 

Pressestimmen

 



Bildungspolitik stößt nicht nur lokal auf Kritik

Beim dritten Stadtgespräch der SPD-Bürgermeisterkandidatin Petra Crone wird Skepsis zur Ganztagsgrundschule laut. Manko: Akzeptanz der Gesamtschule

KIERSPE Wenn es auch schön wäre, gibt es mit der Gesamtschule doch nicht nur positive Erfahrungen, obwohl letztere am Dienstagabend im Konferenzraum klar überwogen: Sicher hat sich rückblickend einiges verklärt, doch muss ich sagen, dass ich durch die Gesamtschule gut auf meinen Beruf vorbereitet wurde. Ich lernte, mich nicht mit allem sofort zufriedenzugeben, sondern nachzufragen, stellte der Journalist Axel Richter fest. Demgegenüber klang Frank Howorka, ebenfalls ein ehemaliger Gesamtschüler, kritischer: Es habe gute und schlechte Zeiten, gute und schlechte Lehrer gegeben. Ich denke mit gemischten Gefühlen an meine Schulzeit zurück, stellte er fest und bemängelte, dass die Lehrer damals zu sehr ihre oft linke politische Überzeugung mit in die Schule getragen hätten.
Zum Thema Bildungspolitik hatte die SPD-Bürgermeisterkandidatin Petra Crone in die Gesamtschule eingeladen. Rund 60 Lehrer, Eltern und ehemalige Schüler kamen und diskutierten sehr engagiert über verschiedene Aspekte von Bildung, die dann größtenteils auch eine eindeutig lokale Dimension hatten. So wurden konkrete Probleme vor Ort angesprochen und im Einzelfall auch Lösungsansätze geliefert, die vielleicht zu einer Verbesserung der Situation beitragen können.
Eine ganz klare Forderung von Petra Crone lautete, dass es gut wäre, wenn Verwaltung, Politik und die gesamte Bevölkerung stärker hinter den Schulen stehen würden, die doch eine breite Vielfalt böten. Im Verlauf des diesmal fast dreistündigen dritten Kiersper Stadtgesprächs stellten sich auch die Grundschulen, die Gesamtschule, die Freie Schule mit ihrer Waldorfpädagogik und die Sonderschule für Lernbehinderte in Meinerzhagen kurz mit ihren Ansätzen und Positionen vor.
Ebenfalls die Pisa-Studie war ein Thema, bei der doch gerade diejenigen Länder gut abgeschnitten hatten, die ein Schulsystem mit Ganztagsschulen haben, wie Finnland. In dem Zusammenhang wurde Kritik an dem neuen Konzept der offenen Ganztagsgrundschule laut: Zum einen wurde bemängelt, dass diese sich nachmittags fast nur auf eine reine Betreuung reduziere, wie dies das Schulkinderhaus der Pestalozzischule schon seit Jahren leiste, zum anderen aber auch, dass die Eltern zu den Kosten herangezogen werden sollen. Gesamtschullehrer Klaus Wiegold hielt gerade letzteres für kontraproduktiv, weil es doch darum gehe, Schüler besser zu fördern und Chancengleichheit zu gewährleisten. Sozial schwächere Familien würden vor den zusätzlichen Kosten zurückschrecken, befürchtete er. Petra Crone warb für den ansonsten positiven Ansatz der offenen Ganztagsgrundschule, die jungen Frauen ermögliche, berufstätig zu sein. Karin Derksen unterstützte sie und sah darin eine gute Alternative: Denn man dürfe sich nicht über die Realität hinweg täuschen, dass es die heile Familie mit Mutter, Vater und Kindern, wie sie noch in den Köpfen herumgeistere, längst nicht mehr gebe. In Trennungs- und Scheidungsfamilien fehlten den Kindern häufig Impulse, die sie in der Ganztagsschule im Zusammensein mit Lehrern und Eltern bekämen. Es gibt Frauen, die arbeiten wollen, aber auch genug, die arbeiten müssen, stellte ebenfalls Lisa Formanski, die Leiterin des Schulkinderhauses fest und machte deutlich, wie wichtig Ganztags-Ansätze in den Schulen heute sind. Bedauert wurde in dem Zusammenhang von den Schulleitungen der Grundschulen, die komplett anwesend waren, dass die Schulkindergärten wegfallen sollen, weil durch diese bislang Fördermöglichkeiten wahrgenommen wurden, wie Marlene Umlauf von der Schanhollenschule betonte. Förderung bedürfe einer entsprechenden Sach- und Personalausstattung. Wolfgang Gottstein von der Pestalozzischule meinte dazu, dass man trotz allem gezwungen sei, auf das neue Modell aufzuspringen, und jetzt versuchen müsse, von den bisherigen guten Ansätzen so viel wie möglich zu retten. Ein weiteres Thema waren die Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen der Gesamtschule und der Stadtverwaltung, die vor allem von Schulleiter Fritz Schmid, aber auch von Elternvertretern angesprochen wurden: So sei die Gebäudeunterhaltung über Jahre auf das Notwendigste beschränkt gewesen. Die Verwaltung scheint die Gesamtschule nur als Kostenfaktor zu sehen und zu vergessen, dass sie der größte Dienstleistungsbetrieb der Stadt ist und hier viele Kinder von Kiersper Bürgern zur Schule gehen. Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen in Kierspe sagen, dass dies ihre Schule ist, bemängelte er. Gottstein hielt dagegen, dass aus seiner Sicht als Grundschulleiter die Zusammenarbeit mit der Stadt mehr als zufriedenstellend sei, besonders im Vergleich mit Schulen größerer Städte, die neidvoll nach Kierspe blickten. Mal ehrlich, wir leben hier doch wie die Made im Speck, stellte er fest. Es gab auch konkrete Verbesserungsvorschläge: So wurde angeregt die Schulamtsmitarbeiterin im Rathaus an zwei Tagen in die Gesamtschule zu setzen, damit diese einen besseren Einblick in den Schulalltag bekommt. Außerdem wurde eine Arbeitsgruppe vorgeschlagen, die einen Prioritätenkatalog für Investitionen und Unterhaltungsmaßnahmen erarbeitet. Petra Crone forderte, dass dringend dazu beigetragen werden müsse, das Image der Gesamtschule zu heben und die Erfolge ihrer Arbeit in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. rh


Akzeptanz wünschenswert
Der Kommentar von Rolf Haase

Frauen, Alter und Bildung. Die SPD-Bürgermeisterkandidatin tischt den Menschen bei ihren Stadtgesprächen genau die Themen auf, die sie interessieren, berühren und von denen sie betroffen sind. Entsprechend zahlreich ist denn dann auch der Besuch seitens der jeweiligen Gruppen. Für Petra Crone ist es eine willkommene Möglichkeit, mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen. Sie geht auf die Bürger zu, greift ihre Sorgen auf und nimmt sie ernst damit. Das bringt ihr zurzeit Sympathien ein. Die Stadtgespräche, das hat sich längst gezeigt, erweisen sich als Erfolgsnummer.
Auch sie selbst bekam beim Thema Bildung wieder wichtige Impulse, die ihr deutlich zeigten, wo die Menschen der Schuh drückt. Auf der anderen Seite spürten aber ebenso die Bürger, dass sie sich dieses Themas persönlich motiviert und engagiert annahm.
Ganz richtig hat die sozialdemokratische Spitzenkandidatin für die Kommunalwahl 2004 herausgestellt, dass eine breite Akzeptanz aller Kiersper Schulen, auch der Gesamtschule, in der Bevölkerung wünschenswert wäre. Daran hapert es leider und darunter leidet letztlich auch die Gesamtschule. Denn wenn leistungsstärkere Schüler immer gezielt aufs Gymnasium geschickt werden, muss dies zwangläufig den Leistungsdurchschnitt an der Gesamtschule drücken. Dabei galt diese Bildungseinrichtung, und daran hat sich bis heute nicht viel geändert, landesweit als Vorzeigegesamtschule. Es wäre fatal, wenn die Kiersper ihrer eigenen Schule schaden. Eine positivere Haltung zur Gesamtschule muss aber sicher nicht nur von Politik und Verwaltung gefordert werden, sondern auch von Teilen der Grundschulkollegien, die letztlich die Empfehlung für die eine oder andere weiterführende Schule aussprechen.
Es ist eine Tatsache, darüber sollten sich alle Bürger klar sein, dass Kierspe vielleicht ohne Gesamtschule nicht so hoch verschuldet wäre, trotzdem aber um vieles ärmer: Die Gesamtschule hat maßgeblich das kulturelle Leben der Stadt geprägt und sie trägt durch ihre Integrationsarbeit, gerade auch im Hinblick auf ausländische Bürger, zum sozialen Frieden bei, um nur zwei Beispiele zu nennen. Ganz zu schweigen davon, dass sie viele Fachkräfte hervorgebracht hat, die in der Wirtschaft oder Wissenschaft heute ihren Mann oder ihre Frau stehen.

 


Kein Elternbeitrag für Ganztagsschule

Kierspe. Das Thema Bildung stand im Mittelpunkt des dritten SPD-Stadtgespräches. Eingeladen dazu hatte SPD-Bürgermeisterkandidatin Petra Crone in den Konferenzraum der Gesamtschule.

Gut 60 Eltern, Ehemalige und Lehrer waren gekommen. Die Folgen des Schulrechtsänderungsgesetzes und die Frage nach der Förderung der örtlichen Grund- und Gesamtschulen boten reichlich Gesprächsstoff.

Die Stadtverwaltung sei nicht mit dem Herzen dabei, wenn um die Unterstützung der größten Schule am Ort gehe, bedauerte Gesamtschulleiter Fritz Schmid. Die Schulverwaltung müsse viel enger mit Lehrern und Eltern kooperieren wünschte er sich für die Zukunft.

Ganz anders beurteilte Wolfgang Gottstein, Leiter der Pestalozzischule, die Zusammenarbeit mit der Stadt. "Wir bekommen eine sehr gute Unterstützung und finden mit unseren Anliegen im Rathaus immer ein offenes Ohr", betonte er.

Sein Hinweis auf das der Grundschule erfolgreich angegliederte Schulkinderhaus leitete über zum Thema Ganztags-Grundschule. Erörtert wurden die Vor- und Nachteile einer Ganztagsschule. Ein Elternteil sah es als einen Gewinn an, die Kinder nachmittags um sich zu haben; andere Eltern erinnerten an Familiensituationen, in der die gestaltete Freizeit nachmittags in der Schule sehr positiv für die Kinder ist.

Einig war sich die Runde darüber, dass die Ganztags-Grundschule in der vom Land vorgegeben Form pädagogisch wenig bringt, betreuerisch aber Sinn macht. Es sei ein Skandal, dass Eltern für die offene Ganztags-Grundschule zahlen müssten, kritisierte aber Gesamtschullehrer Klaus Wiegold. "Hier müssen wir politisch arbeiten, um das aus der Welt zu schaffen."

Am Ende gab es auch ganz praktische Vorschläge für die Verbesserung der Schulsituation. Die Schul-Sachbearbeiterin der Stadt, so ein Vorschlag, sollte aus dem Rathaus zwei Tage pro Woche in ein Gesamtschulbüro umziehen. Allein das, so die Überlegung, würde den Austausch zwischen Schule und Verwaltung deutlich stärken. Angeregt wurde weiter, dass Eltern, Politiker und Lehrer für die Gesamtschule ein Investitionskonzept erarbeiten, um so die Unterhaltungsmaßnahmen besser koordinieren zu können.

Das nächste Stadtgespräch mit Bürgermeisterkandidatin Petra Crone findet am 2. Juli statt. Dann wird mit Bundesjustizministerin Brigitte Zypries ein besonders hochkarätiger Gast erwartet.

26.05.2004    Von Klaus Schliek



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