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10. Kiersper Stadtgespräch am 18.5.2005 im AWO-Seniorenzentrum
"Gemeinsam sind wir stark - Netzwerke für Senioren?"


 

Fragen und Antworten zu Möglichkeiten Freizeit, Kultur, Ehrenamt, Betreuung und Hilfe für und mit Senioren zu vernetzen. Angebote zu koordinieren und kompetente Beratung anzubieten.

Mit Birgit Fischer, Ministerin des Landes Nordrhein-Westfalen für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie

Die Veranstaltung beginnt um 16.30 Uhr

Dieses Thema behandelte auch ein Antrag der SPD-Fraktion, der vom Stadtrat inzwischen einstimmig beschlossen wurde:

Eine Koordinierungs- und Beratungsstelle für Seniorenfragen wird eingerichtet
.

In unserer Stadt gibt es eine große Vielfalt von Gruppen, Einrichtungen und Initiativen, die für und mit älteren Menschen arbeiten: Altenstuben, Seniorentanztee, Sozialstation, Essen auf Rädern, Seniorenzentrum, Bürgerbusverein, Sozialverbände und Hospizarbeitsgruppe - um nur einige zu nennen. Ziel einer Koordinierungs- und Beratungsstelle soll es sein, ein Netzwerk aufzubauen, in dem die verschiedenen Gruppierungen nicht neben- sondern miteinander arbeiten. Die Koordinierungs- und Beratungsstelle soll ältere Menschen und ihre Angehörigen umfassend über alle Möglichkeiten deraktiven Teilhabe am Gemeindeleben, über altengerechte Ausstattung von Wohnungen, über betreutes Wohnen, über Freizeit-,  Pflege-, Betreuungs- und Hilfsangebote beraten, damit selbstbestimmtes und würdevolles Leben bis ins hohe Alter möglich wird. Die Koordinierungs- und Beratungsstelle soll möglichst im Bürgerzentrum angesiedelt werden. Es ist zu prüfen, ob eine geeignete Person aus dem Hartz IV - Programm dort arbeiten kann.

 



Birgit Fischer bei ihrem engagierten Vortrag


 



Die Ministerin verabschiedete Karin Burk


 

Pressestimmen

 



Aufbau von sozialen Netzwerken

Birgit Fischer als Gast beim Kiersper Stadtgespräch im AWo-Seniorenzentrum


KIERSPE · "Hallo, ich bin die Birgit Fischer", begrüßte die NRW-Ministerin für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie bei ihrer Ankunft erst einmal ein paar Bewohner des AWo-Seniorenzentrums am Haunerbusch. Die Bochumerin ging auf die Menschen zu und suchte das Gespräch, ehe sie auf Einladung der SPD beim Kiersper Stadtgespräch über die Arbeit mit älteren Menschen und Netzwerke für Senioren referierte.

Natürlich spielte auch der Wahlkampf in ihre Rede mit hinein. Doch - eingepackt in Parteipolitik und Seitenhieben auf CDU-Herausforderer Jürgen Rüttgers und mit dem SPD-Landtagskandidaten Gerd Wirth an ihrer Seite - ging die 51-jährige Ministerin vor allem auf die Belange der Senioren ein.

"Selbstbestimmung" und "Würde" waren Begriffe, die immer wieder in ihrer Rede auftauchten. Es ging Fischer um eine andere Sicht auf die Altenpolitik, die bei vielen gleichgesetzt werde mit der Pflege. Doch das Seniorendasein kann weitaus mehr bieten. Viele ältere Menschen seien schließlich noch sehr aktiv, was nicht zuletzt auch mit dem Aufbau von sozialen Netzwerken in den Stadtteilen zusammenhängt. "Man darf das Alter nicht nur gleichsetzen mit Einsamkeit", so die Ministerin, die hier auch die Arbeit des Kiersper Netzwerks für Senioren lobte.

Viele Menschen würden zwar alleine leben, doch gerade dies mache soziale Netzwerke notwendig. Schließlich brauche es in der Gesellschaft zwar Leute, die Hilfe anbieten, aber vor allem auch Treffpunkte für den Kontakt untereinander. Sie warb daher auch für ein flächendeckendes System von solchen Netzwerken. "Es darf nicht vom Zufall abhängen, wo in Nordrhein-Westfalen jemand wohnt, damit es diese Angebote gibt", so die NRW-Ministerin.

Sie forderte zudem eine Anerkennung der ehrenamtlichen Tätigkeit. "Das Ehrenamt soll nicht Ersatz für Hauptamtliche sein, weil weniger Geld da ist", machte Birgit Fischer deutlich, dass es nicht darum gehe, in Zeiten der leeren Kassen die meist unentgeltliche Hilfe als billige Arbeitskraft zu sehen.

Gerade bei der Pflegeleistung müssten die Helfer früher unterstützt werden. Es gebe Angehörige, so Fischer, die "bis an den Rand ihrer Kräfte pflegen". Auch eine sehr spät erkannte Demenz gehe an die Substanz der pflegenden Angehörigen.

Ein Überraschung parat hatte Birgit Fischer dann für AWo-Pflegedienstleiterin Karin Burk, die seit 23 Jahren in der Altenpflege arbeitet und sich "auch im Ruhestand treu bleiben und ehrenamtlich Bewohner mit dem Krankheitsbild Demenz" betreuen wird. Angefangen hatte sie im August 1982 als Helferin im Sozialdienst. Es folgten Ausbildungen zur examinierten Altenpflegerin und die Tätigkeit der Fachaltenpflegerin in der Geronto-Psychiatrie. "Die Menschenwürde ist ihre Motivation, verbunden mit einem hohen Anspruch an die Qualität der Pflege", würdigte Birgit Fischer den Einsatz der 63-Jährigen, die zudem die Hospizgruppe Kierspe-Meinerzhagen gegründet hat und dort Kurse und Gesprächsabende anbietet. · aj
 

 


"In Würde" heißt selbstbestimmt alt werden


Kierspe. (hey) "Es darf kein Zufall sein, in welchem Teil des Landes welches soziale Angebot besteht." Birgit Fischer, NRW-Ministerin für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie zeigte sich vom Kiersper Vorhaben, eine Koordinierungsstelle für Seniorenfragen zu gründen, begeistert.

"Das ist moderne Sozialpolitik", sagte die Ministerin, die gestern beim Kiersper Stadtgespräch auf Einladung des SPD-Ortsvereins im AWO-Seniorenzentrum über das Thema "In Würde alt werden" sprach. Erich Mürmann nannte bei seiner Begrüßung "die Vielzahl der Angebote und Einrichtungen für Senioren in Kierspe". Die Ministerin machte in ihrem engagierten Vortrag deutlich, dass solche Netzwerke, wie sie der Rat auf SPD-Antrag beschlossen hat, dabei helfen, "die Chancen einer Gesellschaft zu nutzen, in der Kinder, Familien und ältere Menschen den gleichen Platz haben".

Während sich der "Landesaltenplan" früher meist auf das Thema Pflege beschränkte, gehe es der Landesregierung heute darum, die Rahmenbedingungen für selbstbestimmtes Leben im Alter zu schaffen. Um den neuen Lebensabschnitt genießen zu können, seien neue soziale Netzwerke nötig, die Möglichkeiten zu Betätigung, Hilfe und Begegnung der Generationen schaffen.

Die Angebote, die laut Fraktionschefin Petra Crone auch die Kiersper SPD im Visier hat, reichen von Beratung und Hilfe z.B. für pflegende Angehörige über Ehrenamtlerbörsen und Hospizarbeit bis zur passgenauen Hilfe für Senioren. "Wer nicht mehr laufen kann, kocht vielleicht gerne", skizzierte Birgit Fischer ein Beispiel. Derjenige müsse nicht mit Essen auf Rädern versorgt werden, sondern brauche jemanden, der einkaufen geht, weil das Kochen vielleicht ein Stück selbstbestimmten Lebens ausmache. Um der drohenden Vereinsamung vorzubeugen, seien Treffpunkte nötig. Auch das könne ein solches Netzwerk für Seniorenfragen leisten.

Gerd Wirth stimmte der Ministerin zu: Neben Verkehr und Wirtschaft seien auch soziale Fragen ein wichtiges politisches Feld, so der SPD-Landtagskandidat. Allein könne keine Kommune solche Netzwerke aufrecht erhalten. Förderprogramme, die die CDU im Land auf bis zu 20 Prozent zurückfahren wolle, sowie überregionale Angebote z.B. für Senioren sollen aus Sicht der SPD im Sinne der sozialen Gerechtigkeit erhalten bleiben.


Motivation "Menschenwürde"

Kierspe. (hey) Die Überraschung war perfekt: Karin Burk hatte kaum den dicken Blumenstrauß erwartet. Erst recht wurde die Pflegedienstleiterin des AWO-Seniorenzentrums von der Laudatio überrascht.

Birgit Fischer, NRW-Ministerin für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie, dankte der "künftigen Unruheständlerin", wie AWO-Vertreter Erich Mürmann Burk nannte, für ihr Engagement.

"Karin Burk hat unter den sich ständig verändernden und schwieriger werdenden Rahmenbedingungen in der Altenpflege seit 23 Jahren eine hervorragende Leistung erbracht", sagte die Ministerin. "Die Menschenwürde ist ihre Motivation, verbunden mit einem hohen Anspruch an die Qualität der Pflege", schloss Fischer thematisch an ihre vorherigen Ausführungen zum Thema "In Würde alt werden" bei der SPD-Veranstaltung an (WR berichtete).

Dazu zähle neben der engagierten beruflichen Arbeit auch das ehrenamtliche Engagement. Seit der Mitgründung der Hospizgruppe Kierspe-Meinerzhagen führe sie Menschen zusammen, "die Krankheit und Tod begleiten, denen es wichtig ist, dass niemand alleine sein muss in den schwersten und letzten Stunden des Lebens".

Karin Burk will dem Seniorenzentrum auch im Ruhestand treu bleiben, freuten sich AWO-Mann Erich Mürmann und die Leiterin des Seniorenzentrums Elisabeth Grobe. Die examinierte Altenpflegerin und Fachaltenpflegerin in der Geronto-Psychiatrie will künftig Bewohner mit dem Krankheitsbild Demenz ehrenamtlich betreuen.
 



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